Botschaften aus fernen Tagen

 

"Wo dieser Gebirgssee in Ötzthal seine Wellen schlägt, war vor Zeiten eine schöne Ebene mit einem stolzen Bauernhofe und einer freundlichen Kapelle. Hof und Kapelle sind versunken, weil die dortigen Bewohner den Feiertag nicht heiligten. Sie waren so gottölos, daß sie am hohen Unserfrauentag (15. August) das Heu, das sie am vorigen Tage gemäht hatten, einführten. Als sie aber mit dem ersten großen Fuder zum Stadel kamen, wich plötzlich der Boden und der ganze Hof versank mit Mann und Maus."

Correspondenz-Karte aus dem Jahr 1898, frankiert mit 2 Kreuzern



"Nach einer anderen Sage putzte die Bäurin ihr Büblein mit Weißbrot und wegen dieses Frevels ging der Hof unter. Im See wohnt ein Drache, der öfters aus dem See herauskroch und vom Berg herab zum Bache ging. Den Weg, den er nahm, sah man genau, denn das Gras wurde von seinem giftigen Athem ganz rot."

(Quellen: Sagen aus Tirol, Gesammelt und herausgegeben von Ignaz V. Zingerle, Innsbruck 1891, Nr. 229, Seite 142)
 

Ansichtskarte aus den Anfängen des Tourismus, handcoloriert

 

  PIBURG, 16. August, kurz nach der letzten Eiszeit.
Die Erde kommt im Ötztal einfach nicht zur Ruhe! Nach dem gewaltigem Bergsturz in Köfels und am Tschirgant, kam es gestern auch bei Piburg zu einer spektakulären Naturkatastrophe. Herabstürzende Gesteinmassen versperrten die parallel zum Ötztal verlaufende alte Talfurche an ihrem südöstlichen Ende. Daraufhin staute sich das Wasser. Es ist mit der Bildung eines herrlichen Natursees zu rechnen, der Anfangs des 20. Jahrhunderts sogar zu einem künstlichen Stausee umgewandelt werden könnte. Sofern nicht weitsichtige Menschen dies verhindern. In einem solchen Falle wäre der gestern neu entstandene Piburger See selbst noch im 2. Jahrtausend nach Christi wohl eines der herrlichsten Flecklein auf Gottes Erde.

(
Quelle: Fiktiver Zeitungsbericht)

S/W-Postkarte

 

Im Jahre 1860 kauft der "Teufelsschmied" Johann Leitner aus der Ebene bei Oetz den Piburger See vom Kloster Stams. Preis: 200 Gulden Reichswährung. Er beabsichtigt durch die Absenkung des Wasserspiegels Land zu gewinnen und als technisch versierter Mensch das Wasser zur Energiegewinnung zu nutzen. Diese Rechnung ging jedoch nicht auf und er verkauft den See wiederum im Jahr 1877 an Marie Pfaundler.  

Postkarte aus den 50er, 60ern des vorigen Jahrhunderts


  Um die Jahrhundertwende versucht dann "Kasslwirt" Johann Tobias Haid mit einigen Partnern erneut, ein energiewirtschaftliches Projekt umzusetzen. Mittels einer 2,25 Kilometer langen Beileitung sollte Wasser aus der Ötztaler Ache - von Tumpen ausgehend - zum See gebracht und von dort aus durch eine Rohrleitung mit 128 Meter Nutzgefälle den Turbinen am Talgrund zugeführt werden. Als Zweck der Elektrizitätsanlage wurde unter anderem der Betrieb einer Kleinbahn in das Ötztal angegeben.

Alte Postkarte, als echte Fotographie angepriesen



Nach einem weiteren Versuch in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, diesmal von den Staatsbahnen (zur Elektrifizierung der Arlbergstrecke), konnte der damalige Besitzer des Piburger Sees, Unsiversitätsprofessor Dr. Meinhard von Pfaundler, am 5. Jänner 1929 eine Unterschutzstellung des Naturdenkmals wegen "seiner hervorragenden Schönheit und seines besonderen Gepräges, das er dem Landschaftsbild verleiht", erreichen.

(Quellen: Oetzer Dorfchronik)

 

Das Wasser des Sees soll heilende Wirkung haben.
In früheren Zeiten verordneten Ärzte jedenfalls Badetage,
die nicht nur dem Leib, sondern auch der Seele, gut tun sollten.
Heute finden hunderte Menschen jährlich am Piburger See Ruhe und Entspannung.

 


  "Wo der reine Spiegel des Biburgsees über dem Dorfe Ötz sich ausbreitet, stand einst eine Behausung oder ein Schloß namens Biburg, mit vielen umliegenden Kornfeldern und Wiesen, die alle dem Besitzer jenes Prachthauses gehörten. Da ihm diese sehr viel eintrugen, war er ein so reicher Mann, daß er, wie man sagt, den Stall für das Vieh nie groß genug erbauen konnte und das Getreide von Jahr zu Jahr immer mehr aufhäufen mußte, bis es, in Fäulnis übergegangen, nicht mehr zu brauchen war. Aber so wie die Armut dem Leibe weh tut, so tut auch der Reichtum der Seele weh! Die Besitzer vergaßen, durch ihren zeitlichen Überfluß geblendet, immer mehr und mehr Gott und die Ewigkeit, hielten sich für unahängige Herren, besuchten keine Messen, keine Predigten und hatten überhaupt keinen Funken von Religion mehr. Einem der letzten der Besitzer fiel es sogar ein, des Sonntags, statt die Kirche zu besuchen, unterdessen auf dem Felde zu arbeiten oder zu spielen."

(Quelle: Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 170)

Ausschnitt aus einer Ansichtskarte mit der alten Badeanstalt.

 


"Auf Pipurg in einem Keller war ein Geist. Die Hausleute sahen ihn oft und fürchteten sich fast gar nicht vor ihm. Es geschah oft, daß er in einer Ecke im Keller saß, während in einem ändern Winkel die Magd Milch abrahmte. Als der Besitzer dieses Haus verkaufte und nach Ötz hinunterzog, zog der anhängliche Geist auch mit hinab. Den Leuten war doch nicht wohl zumute; sie holten einen Pater, der den Geist dann erlöste."

(Falkner, Christian, Sagen aus dem Ötztal, in: Ötztaler Buch (= Schlern-Schriften 229), Innsbruck 1963, S. 169)

 
Diese Karte war um das Jahr 1936 im Umlauf.